ESC 2011 – Grand Prix im Spiegel der Zeit: Douze Points Lounge im NRW-Forum

Lena’s und unser aller „Projekt Titel-Verteidung“,  Medien-Rummel, Motto-Shows & Euroboats…  Der European Song Contest hat viele Gesichter, eine lange Tradition, aber auch schon ganz andere Zeiten erlebt.

Einen Wettbewerb im Spiegel der Zeit zeigt die Douze Points Lounge im Düsseldorfer NRW-Forum …

Wenn  Lena Meyer-Landrut am Samstag das „Projekt Titelverteidung“ angeht, nähert sich der Eurovision Song Contest bereits seinem diesjährigen Höhepunkt. In zwei Halbfinal-Shows (heute und am 12. Mai) mit jeweils 19 Nationen wurden dann bereits die Teilnehmer für das Finale ermittelt: Je 10 Nationen qualifizierten sich für die Finalshow, sowie automatisch die „Big5“ (die Teilnehmer der Hauptsponsoren und Kapitalgeber aus Deutschland, Frankreich, England, Italien und Spanien).
Zum Schluss entscheidet sich, welche europäische Nation den Wettbewerb im nächsten Jahr ausrichten darf. Ein Wettbewerb, der bereits eine sehr lange Tradition hat, schon oft totgesagt und noch viel häufiger kritisiert wurde, und dennoch jedes Mal Millionen Menschen in seinen Bann zieht. Vor den Fernsehern, beim Public Viewing oder auf selbst- oder fremdorganisierten TV-/Mottopartys.
Doch der Grand Prix begann seinerzeit weniger spektakulär und hat bravere, aber auch revolutionäre Zeiten erlebt.
Der ESC – eine längere Geschichte

In den 1950er Jahren, als das Fernsehen noch ganz jung und das europäische Bewusstsein noch in den Kinderschuhen steckte, wurde eine wahrhaft große europäische Idee geboren: Der Grand Prix Eurovision de la Chanson Européene. Was anfangs noch ein bisschen ausschaute wie eine europäische Kopie des bereits erfolgreichen Sanremo Musik Festivals, entwickelte sich schnell zu einem eigenen TV-Erlebnis mit großen Dimensionen. Einer Art Leistungsschau der großen damals 7 Teilnehmerländer, ein technisches und ästhetisches Spektakel. Dass das Teilnehmerfeld einmal auf über 40 Teilnehmer anschwellen sollte, dass osteuropäische Länder zu den Teilnehmern zählen würden, das konnte niemand ahnen, als mitten in der Wirtschaftswunderzeit am 24. Mai 1956 in Lugano das erste Mal die Scheinwerfer aufleuchteten. Heute ist dieser Wettbewerb eines der größten TV-Ereignisse der Welt: weit über hundert Millionen Zuschauer weltweit warten darauf, dass es für ihr Land heißt: „Twelve Points! Douze Points! Zwölf Punkte!“.

Die Douze Points Lounge im Forum NRW: ESC Begleitung und thematische Ausstellung

„Douze Points“ – das ist alles was zählt, alles, auf das die Teilnehmer hoffen – ein Begriff der mittlerweile in den Sprachgebrauch der Menschen in Europa eingeflossen ist.

Die erste Grand Prix Siegerin überhaupt: Lys Assia mit „Refrain, du gold’ner Traum“ für die Schweiz, 1956. © NRW-Forum

„Douze Points“ – so heißt auch die Lounge, die das NRW-Forum in seinem Caffè während der Laufzeit des Song Contests in Düsseldorf eingerichtet hat. Dort gibt es alle Platten-Cover der Sieger der Grand Prix zu sehen und Videos aus der 55jährigen Geschichte des Eurovision Song Contest. Es ist ein Gang durch die Geschichte der Nachkriegszeit. Die schwarz-weiß Filme aus den ersten Jahren des Wettbewerbs lassen uns staunen: da wartet im Hintergrund noch brav und wohlerzogen ein adretter Junge mit kurzer Hose und einem Blumenstrauß für die Sängerin. Tanzen und Gestikulieren war den Sängern verboten. Ein Dirigent und ein Orchester standen für jeden Sänger, jede Sängerin zur Verfügung.

Im Spiegel der Zeit

In denn folgenden Jahren ist der Grand Prix ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Politisch motivierte Boykotte und die Ausweitung des europäischen Gedankens sorgen für ein zwar schwankendes aber doch stetig anwachsendes Teilnehmerfeld. Die 60er Jahre hinterlassen auch hier ihre Spuren – France Gall gewinnt mit einem erotischen Text von Serge Gainsbourg der bisher so nicht im Fernsehen gehört worden war (und erhält bezeichnenderweise aus den französischsprachigen Länder keine Punkte). Der wachsende Zuspruch führt zu zahlreichen Regeländerungen um dem großen Teilnehmerfeld und den veränderten technischen Möglichkeiten durch das Telefonvoting gerecht zu werden.

Grand Prix: Ein Wettbewerb mit Sternen und Sternschnuppen

Die Teilnahme der transsexuellen Dana international war im Heimatland Israel umstritten – mit „Diva“ siegte sie. © NRW-Forum

Zahlreiche Stars und Sternchen gründen ihre Karriere auf Auftritten beim Grand Prix – France Gall mit „Poupée de core, poupée de son“ (1965), ABBA mit „Waterloo“ (1974), Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ (1982) oder Lena Meyer-Landrut mit „Satellite“ (2010). Ungezählt sind aber auch die Sänger, denen außer einem Auftritt beim Grand Prix nie wieder etwas geglückt ist. Der starke Trend der teilnehmenden Länder für den Grand Prix Gruppen und Sänger nach dem Aspekt der größtmöglichen Publikumsverträglichkeit zu kreieren, hat in den 90er Jahren zu einem großen Authentizitätsverlust des Grand Prix geführt – die Teilnehmerzahl blieb zwar gleich, aber das Fernsehpublikum wandte sich ab.

Nicht mehr „heile Welt“

Ende 1990 Anfang 2000 wird dieser Trend durch zahlreiche Auftritte gebrochen, die den Mainstream des Song Contests oder die dort beschworene heile Welt auf die Schippe nehmen. Die von Guildo Horn, Stefan Raab, der furchterregend maskierten Hard Rock Band Lordi oder der transsexuellen Sängerin Dana International aus Israel waren Höhepunkte dieser Zeit.

Vieles davon sieht man auf den Covern und in den Filmen. Manche Teilnehmer sind vergessen, andere bekannt, und wenige wurden zu Kultfiguren.

NRW-FORUM: Douze Points Lounge – Begleiter des ESC 2011

Die Douze Points Lounge ist dienstags bis sonntags von 11 bis 20 Uhr geöffnet; freitags bis 24 Uhr. Freitags gibt es zudem von 20 bis 24 Uhr zusätzlich ein musikalisches Programm. Weiterhin ist im NRW-Forum Düsseldorf auch die Ausstellung „Zeitgeist und Glamour“ zu sehen mit Fotografien des Jet Sets der 60er und 70er Jahre – eine interessante Ergänzung zur Douze Points Lounge.

Eintritt / Katalog:

Der Eintritt in die Douze Points Lounge ist kostenlos. Der Eintritt in die Ausstellung „Glamour und Zeitgeist“ kostet 5,80 €. Den kleinen Katalog zur Douze Points Lounge mit acht wunderbaren historischen Sieger-Covern auf Postkarten, einem Text-Leaflet gibt es für 8 € (erhältlich im Museum und in der Buchhandlung König).

Douze Points – Grand Prix Lounge im NRW-Forum Düsseldorf
  • Wann? noch bis Samstag, 14. Mai; geöffnet: 11 h  bis 20 h, Freitag 11 h bis 24 h
  • Wo? NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf
  • Mehr Infos: www.nrw-forum.de,
    auch auf www.facebook.com/nrwforumduesseldorf

PARTY-TIPP:

Grand Prix friday night 3:

Surfing the Decades. PRINZen und PRINZESSINNEN des Düsseldorfer Nachtlebens legen auf. Eine Aktion von PRINZ.

  • Wann? Freitag, 13. Mai 2011, 20 h bis 24 h

Quelle: NRW-Forum


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