Wie fühlt man sich als ‚Thirty Up‘ oder: Gibt es ein typisches Ü30er, Ü40er Lebensgefühl?

„Bist Du schon ThirtyUp?“, so fragen wir bei Gelegenheit gerne unsere User. Wenn ja, wie fühlt sich das an? Was ist anders mit über 30? Welches Lebensgefühl haben ThirtyUps, was sind ihre Themen?

Da wir uns schon gedacht haben, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist, haben wir eine Expertin mit ins Boot geholt…

Im Interview: Ines Imdahl / rheingold Institut Köln

Ines Imdahl ist Diplom-Psychologin und Geschäftsführende Gesellschafterin des renommierten rheingold Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen in Köln. Sie kennt sich bestens mit Marken, Marktforschung und mit dem Verhalten von Zielgruppen aus und steht ThirtyUp Rede und Antwort bei der Suche nach dem ganz speziellen Ü-30-Feeling.

ThirtyUp: Gibt es eine Zielgruppe der Ü30-Jährigen und wenn ja, wie sieht sie aus?

Imdahl: Ü30 ist ja erstmal ein Sammelbegriff für alle Menschen, die älter als 30 Jahre sind und bezieht auch die 40, 50 und 60-jährigen mit ein. Man sollte aber einen Unterschied zwischen den 30- und 40-oder 45jährigen machen.

TU: Worin besteht denn diese Unterscheidung?

Imdahl: Zunächst einmal muss man sagen, dass sich sowohl die 30-, als auch die 40-jährigen in einer multioptionalen Welt bewegen. Alles ist möglich, es gibt nicht die eine Rolle, zum Beispiel als Ernährer und Familienvater sondern gleichzeitig viele Rollen, die man erfüllen kann, gleichzeitig aber auch zu erfüllen hat.  Der Unterscheid bei den Ü-30-jährigen ist nun, dass hier alles relativ geworden ist, während Leute über 40 noch feste Strukturen von ihrem Elternhaus kennen. Angefangen vom Essens- und Tagesrhythmus bis hin zum Arbeitsrhythmus und der ständigen Verfügbarkeit durch das Internet haben sich bei den Leuten über 30 alle festen Regeln und Strukturen aufgelöst. Das ist bei den Ü-40-jährigen zwar auch ähnlich, aber nicht so extrem ausgeprägt. Sie kennen vorgegebene Strukturen noch stärker vom Elternhaus.

TU: Erziehen diese beiden Altersgruppen auch ihre Kinder anders?

Imdahl: Laut unserer neuen Mütterstudie* tun sie das. Die Ü-Dreißiger folgen einem neuen „Gelassenheitsideal“: Die Kinder werden früh ernst genommen und mit erwachsenen Thermen konfrontiert, sollen aber möglichst „unverkrampft“ erzogen werden. Damit wollen sich die Ü30er Mütter von den Müttern über 40 abgrenzen. Unterm Strich sind sie aber noch perfektionistischer, da ihr Erziehungsanspruch auch noch locker und entspannt wirken soll. In einer repräsentativen Studie fand man heraus, dass dies bei Kindern zu Unsicherheiten führt. Eine eigene Auseinandersetzung auch mit den eigenen Grenzen findet bei den Ü30´s nicht so statt. Der starke Wunsch, sich mit Reality-Shows zu identifizieren, dient dem Bedürfnis, einen stärkeren Realitätsbezug zu bekommen, so paradox das auch klingen mag.

TU: Wie meinen Sie das jetzt?

Imdahl: Stellen Sie sich einen 32-jährigen vor, der noch niemals eine Korrektur von Seiten seiner Eltern bekommen hat. Vergessen Sie nicht, seine Eltern sind in der Post-68-er-Generation aufgewachsen. Da ist das alles partnerschaftlicher, mit weniger Reibungspunkten. Dann kommt ein Dieter Bohlen daher und staucht den Casting-Kandidaten mal so richtig zusammen. Das ist eine nötige Grenzerfahrung.


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TU: Ü30er in Casting-Shows, ist das nicht eher etwas für Jüngere?

Imdahl: Dieter Bohlen macht ja auch Supertalent und das ist ja deutlich älter. Ja, er setzt auch den Kandidaten über 30 Grenzen, zumal er ja mit diesen angefangen hat. Die Teilnehmer der ersten drei Staffeln sind ja heute bereits über 30.

TU: Sie wollen jetzt aber nicht sagen, dass jeder ThirtyUp an einem Casting der Privatsender teilnehmen muss um fürs Leben zu lernen?

Imdahl: Nein, ganz sicher nicht, aber die Castings offenbaren ein Lebensmotto.

TU: Und das wäre?

Imdahl: Ich will berühmt werden und Bedeutung erlangen.

TU: Was bewegt die Ü-30 jährigen außer dem Wunsch, berühmt zu werden, denn noch? Was sind ihre Themen?

Imdahl: Wer nicht mehr in einem festen Gefüge sondern in losen Strukturen aufwächst, erlebt eine gewisse Ohnmacht. Es gibt ja keine Haltepunkte mehr, an denen man sich orientieren kann. Dieses Grundgefühl der Ohnmacht führt zu anderen Ausprägungen und Lebensstilen. Man kann nicht mehr ohne Internet leben. Selbstinszenierungen sind unheimlich wichtig geworden. Darum spielen Kleiderfragen und ein ästhetischer Lebensstil eine wichtige Rolle.

TU: Alles so oberflächlich?

Imdahl: Es gibt natürlich einen anderen Trend! Das „schöner, höher, weiter“ hat ausgedient, die Sehnsucht nach Sinnerfüllung nimmt einen großen Raum ein. Dies kann man seit den Terroranschlägen auf die Twin Towers am 11. September sehr stark beobachten. Natürlich hat die Wirtschaftskrise auch damit zu tun. „Leben und Lieben“ sind wichtige Themen. Das eigene Leben wert zu schätzen. Gemeinschaft, Familie und Freundschaft stehen ebenso im Fokus.

TU: Wie wirkt sich das praktisch aus?

Imdahl: ThirtyUps wollen diese Werte auch in ihrem Alltag integrieren. Sie wollen zwar keinen neuen Konservativismus, gehen aber sehr stark dem Wunsch nach, etwas Tiefes zu spüren. Das drückt sich zum Beispiel in dem Bedürfnis nach einem nachhaltigen Lebensstil aus. Ein Unternehmen, das sich nicht nachhaltig verhält, wird langfristig nicht mehr ernst genommen. Das spüren auch die Konsumenten und sind dementsprechend kritisch.

TU: Herzlichen Dank für dieses Interview, Frau Imdahl!

Link: rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen in Köln www.rheingold-online.de

* tiefenpsychologische und repräsentative Milupa-Mütterstudie des rheingold-Instituts

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Titelbild: Kzenon – Fotolia.com; Interview: © Ines Imdahl


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