Klemmes Ernährungstipps: Fett macht fett? Ein Ammenmärchen

Wer abnehmen will, spart am Fett. Klingt ja eigentlich logisch, oder?

Doch dass jegliche Arten von Kohlehydraten, also Nudeln, Cornflakes und Brot in Wahrheit für unsere Speckrollen verantwortlich sind und wie wir wieder hin zu einer aktiven Ernährung kommen können, zeigt Ernährungscoach Felix Klemme auf.

Von wegen böse Fette…

Verwunderlich, dass bis heute immer noch viele Menschen glauben, dass insbesondere die Fette dafür verantwortlich sind, den Menschen dick zu machen. So gibt es noch immer unzählige Light Produkte in den Supermarktregalen, die mit geringem Fettanteil werben und dem Verbraucher vorgaukeln, etwas „Gesundes“ zu kaufen.

Wieso werden wir überhaupt dick und speichern Fett!?

Evolutionär hat der Mensch nie den Luxus gehabt, tagtäglich ausreichend Nahrung zur Verfügung zu haben, zumal er diese auch noch selbst sammeln oder jagen musste (=bewegen!). So hat er Mechanismen entwickelt, Speicher anzulegen: Fettspeicher. Diese Fettspeicherzellen sind sogenannte Adipozyten. Das heute weitverbreitete Krankheitsbild ‚Adipositas‘ beschreibt eine viel zu hohe Anzahl an Adipozyten im Körper: der Mensch verfettet.

Warum der Igel ein dickes „Fell“ hat

Ein Igel nutzt eben genau dieses Prinzip, um den Winter zu überleben: er hält sogar Winterschlaf. Ein Igel frisst allerdings keine Butter, Margarine, fettigen Lebewesen oder Vergleichbares. Bereits im Herbst frisst er sich seinen Winterspeck über das saisonale Futterangebot an. Das sind insbesondere sehr süße Beeren, Fallobst und reife Früchte. Diese enthalten sehr viel Zucker, also Fructose=Kohlenhydrate. Pro Tag isst der Igel deutlich mehr als drei Mahlzeiten, was die Speicherung von Körperfett günstig beeinflusst und ihm somit ein dickes Winterfell garantiert…

Wie der Mensch das ganze Jahr über seinen Winterspeck sammelt…

Unserer tägliche Ernährung setzt sich typischerweise überwiegend aus Getreideprodukten, Brot oder Brötchen, Gebäckwaren, Nudeln, Cornflakes, Müsli aber auch anderen energiereiche Lebensmitteln wie Reis, Kartoffeln oder Mais zusammen. Der Anteil dieser Kohlenhydrate liegt heute etwa bei 50% der gesamten Energiezufuhr unserer Nahrungsmittel (WEIGLE et. Al., AJCN 2005). Hinzu kommen insbesondere Geflügel und Schweinefleisch, die vor allem mit Getreide (Hafer, Mais, Soja, Roggen, Gerste) gemästet werden. Obst und Gemüse sind zumeist Beilagen oder Dekoration. Beliebt ist zum Beispiel der Teller Schnitzel mit Pommes.

Welche Folgen hat diese Ernährungsweise für unseren Organismus?

Ein Energieüberschuss lässt den Körper Fettdepots anlegen.

Bei der Aufnahme einfacher oder „leerer“ Kohlenhydrate steigt der Blutzuckerspiegel schnell und stark an. Hat der Mensch ausreichend Energie zur Verfügung -jeder zweite Deutsche ist übergewichtig- wird der Zucker in Form von Fett gespeichert:

So werden Sie Ihre Fettzellen wieder los – 3 Tipps:
  1. Essen Sie pro Tag maximal 3 Mahlzeiten!
    Nehmen wir mehr als 3 Mahlzeiten täglich zu uns, so beginnt der Körper –insbesondere über das Hormon Insulin- die aufgenommene Nahrung als Fette zu speichern
  2. Meiden Sie zuckerreiche Nahrungsmittel!
    Dazu zählen auch Getreide, Nudeln, Mais, Kartoffeln, Müsli und andere. Vorsicht ist insbesondere bei Light Produkten geboten, die oft Ersatzzuckerstoffe wie Aspartam oder andere Süßungsmittel enthalten.
  3. Bewegen Sie sich täglich! Das nimmt positiven Einfluss auf unser Hungergefühl.
    Wer sich regelmäßig und häufig bewegt – insbesondere an der frischen Luft – nimmt damit positiven Einfluss auf sein Hungergefühl und verbessert somit die Energieverbrennung im Körper. Der Organismus lernt, auf vorhandene Energiereserven zurückzugreifen.

ZUR PERSON

Dipl. Sportwissenschaftler und Personal Trainer Felix Klemme ist auch kPNI- Therapeut und berät Firmen und Privatpersonen kompetent in den Themen Ernährung, Bewegung und Verhalten. Sein Motto: „Wenn wir werden wollen, was wir waren, müssen wir essen, wie wir aßen, uns bewegen, wie wir uns bewegt haben und uns verhalten, wie wir uns verhalten haben.“

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Alles hängt zusammen: Klinische Psycho-Neuro-Immunologie

Die klinische Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) untersucht auf wissenschaftlicher Basis das komplexe Zusammenspiel zwischen Ernährung, Bewegung, Stressverhalten und Gesundheit. Sie geht davon aus, dass jedes Organ, jede einzelne Zelle fortwährend mit anderen Zellen kommuniziert und dass unser Gehirn das Immunsystem auf verschiedene Weise beeinflusst, das Immunsystem wiederum einen Einfluss auf unsere Gehirntätigkeiten hat.

Gesundheit: Ein System – viele Einflussfaktoren

Ernährung lässt sich demnach niemals nur isoliert betrachten, sondern ist Teil eines ganzen Systems. Eine gute Ernährung ist nur ein Baustein von Gesundheit. Unsere Zellen benötigen aber nicht nur die richtigen Nährstoffe, sondern auch andere günstige Bedingungen wie zum Beispiel tägliche Bewegung. Haben wir jeden Tag Stress, beeinflussen wir unsere Zellfunktionen negativ. Somit nehmen also auch das soziale Umfeld und die persönliche Einstellung Einfluss auf unsere Gesundheit beziehungsweise auf unser Immunsystem. Über die Nahrung haben wir die Möglichkeit, unseren Milliarden Körperzellen das zu geben, was sie für ihr Überleben benötigen.

Autor: Felix Klemme
Redaktion: Christiane Prang
Fotos: © Uwe Grötzner – Fotolia.com und Sebastian Duda – Fotolia.com
Grafik: Felix Klemme


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