„ Ich bin keine Tine Wittler !“ – Interview mit der Feng-Shui-Expertin Michaela Adami-Eberlein

Bei Feng-Shui denke ich immer an klingende Windfänger und an dicke, dekorative Buddhas, die mich auf Treppenstufen angrinsen. Was genau Feng-Shui ist und dass es sogar etwas mit den eigenen Lebenszielen zu tun hat, war mir ehrlich gesagt neu.

Was es auf keinen Fall ist: Eine esoterisch angehauchte Wohnberatung. Im Gespräch mit Thirty Up klärte mich die Fachfrau Michaela Adami-Eberlein gründlich auf …

ThirtyUp: Frau Adami-Eberlein, Sie arbeiten seit sieben Jahren als Feng-Shui-Beraterin. Was genau ist Feng-Shui und welche Grundgedanken stecken dahinter?

Adami-Eberlein: Feng-Shui ist schon sehr alt und man praktiziert diese Lehre seit 3000 bis 5000 Jahren in China. Sie kommt ursprünglich aus einer landwirtschaftlichen Gesellschaft. Der Feng-Shui Lehre liegt der Gedanke zugrunde, wie der Mensch in seiner Umgebung, also insbesondere seiner räumlichen Umgebung so lebt, dass das Projekt „Leben“ gelingen kann. Ursprünglich war der Wohnort, -ähnlich den bäuerlichen Höfen im Abendland- ein existentieller Lebensraum, der die Versorgung und die Fortpflanzung der eigenen Sippe sicher stellen musste. Man suchte gleichzeitig Schutz und fruchtbaren Boden.

ThirtyUp: Gibt es Prinzipien, die im Feng-Shui eine besondere Rolle spielen?

IM INTERVIEW

Die gebürtige Rheinländerin Michaela Adami-Eberlein (Jhrg. ’59), Geschäftsführerin der Feng-Shui-Praxis Much, berät neben Veranstaltern, Kunden aus der Gastronomie, Inhabern von Ladenlokalen auch andere Unternehmer, soziale Einrichtungen und natürlich Privatleute.

Adami-Eberlein: Die fünf Elemente Holz – Feuer – Erde – Metall – Wasser spielen eine wichtige Rolle beim Feng-Shui. Außerdem die Prinzipien von Yin und Yang aus dem Taoismus nach der Lehre von Laotse sowie die Himmelsrichtungen. Es geht bei Feng-Shui überwiegend um die Frage der eigenen Standortbestimmung im Leben. Der Mensch lebt zwischen Yin und Yang, zwischen Himmel (Yang) und Erde (Yin), zwischen Verstand und Gefühl, zwischen männlichen und weiblichen Urprinzipien. Feng-Shui fragt: „Wie kann sich ein Mensch sein Zuhause so optimal gestalten, wie es ihm entspricht. So wie der Fuchs sein Bau baut und der Vogel sein Nest. Wie kann der Mensch sich seine Höhle, seinen Rückzugs- und Kraftort gestalten?“ Dabei gebe ich lediglich Empfehlungen, die zwar auf exakten Berechnungen* beruhen, ich achte aber darauf nicht zu moralisieren und damit neue Dogmen zu schaffen.

ThirtyUp: Welche Vorteile hat es denn, seine Wohnung oder sein Büro nach Feng-Shui-Prinzipien auszurichten? Kann Feng-Shui im Alltag oder Berufsleben etwas bewirken oder verändern? Wenn ja, was genau?

WISSENSWERT… Geomantie

Seit Beginn der Menschheit wurden die Erscheinungsbilder der Erdenergien benutzt, um gezielt bestimmte Orte zu suchen, zu meiden oder Prognosen für künftige Zeiten zu erhalten (Geo = Erde / Mantik = Seher)

So ist es z.B. kein Zufall, dass der Kölner Dom dort steht, wo er steht. Die Dombaumeister arbeiteten mit Geomanten
zusammen die den Kraftplatz für den Dom fanden. Nach dem philosophischen Ansatz, dass sich der Mikrokosmos im Makrokosmos widerspiegelt und beeinflusst, haben die Energien der Erde immer auch einen entsprechenden direkten Einfluss auf die Natur und den Menschen.

Adami-Eberlein: Alles, was mir im Leben widerfährt, im Guten wie im Schlechten, hat etwas mit mir ganz persönlich zu tun. Die Devise lautet: „wie außen, so innen.“ Meine äußere Umgebung gibt Hinweise auf meinen inneren Zustand und umgekehrt. In der Beratung möchte ich meinen Kunden bewusst machen: „Wo stehe ich?“ Nach dieser Standortbestimmung sind meine Kunden oft erstaunt, wie viel mehr sie plötzlich über sich wissen. Ich arbeite mit ihnen heraus, wo ihr Lebensmittelpunkt ist oder welche Farben ihnen in welchen Räumen gut tun. Wenn zum Beispiel jemand permanent überdreht ist kann es sein, dass ihm die rote Wand im Wohnzimmer nicht gut tut. Eine Feng-Shui Beratung hilft herauszufinden, wie und wo man besser schlafen oder arbeiten kann.

ThirtyUp: Welche Projekte konnten Sie bis jetzt erfolgreich verwirklichen?

Adami-Eberlein: Ein Kindergarten bat mich einmal um Hilfe. Die Kinder waren sehr unruhig, unkonzentriert und ungewöhnlich aggressiv. Dann fand ich heraus, dass die großen Spitzfenster zur Straße hin viel zu viel Unruhe verbreiteten. Wir haben sie komplett umgestaltet, mit Milchglas-Folie beklebt und runde Formen angelegt. Für das Ergebnis sind mir die Erzieherinnen bis heute dankbar. Die positive Energie bleibt nun in den neu gestalteten Räumlichkeiten. Mich rufen Villenbesitzer, Gastrobetriebe, Singles, Paare, Arztpraxen und Inhaber von kleineren Unternehmen. Der Begriff „Feng-Shui“ wird oft nur mit „Wohlfühlen“ oder mit Raumgestaltung assoziiert. Zuweilen mag dass stimmen, nur passt das nicht ausschließlich. Ich sage immer „Ich bin keine Tine Wittler und es reicht nicht, einfach nur die Wände anders zu streichen!“ Eine klare Kommunikation des Themas ist da mehr als notwendig.

ThirtyUp: Warum sind Sie zum Feng-Shui gekommen?

Adami-Eberlein: Auslöser war eine persönliche Krise. Mein Sohn litt an einer chronischen Atemwegserkrankung, aus der wir keinen Ausweg wussten. Durch alternative Heilmethoden wurde ich auch mit Feng-Shui konfrontiert. Die Behandlerin fragte mich zum Beispiel nach dem idealen Schlafplatz für unser Kind. Da es ihm dann besser ging, wollte ich unbedingt mehr wissen und machte eine Ausbildung zur Feng-Shui-Beraterin. Dadurch bin ich mit anderen Betrachtungsweisen in Berührung gekommen. Für mich selber kann ich mithilfe von Feng-Shui erkennen, was wichtig im Leben ist. Das macht mich zufriedener und bringt Stabilität in mein Leben. Ich weiß wer ich bin, was ich meiden sollte und was mir gut tut.

ThirtyUp: Wie grenzen Sie sich von unseriösen Angeboten und Beratern ab? Haben Sie ein Alleinstellungsmerkmal?

Adami-Eberlein: Deutschlandweit gibt es mittlerweile einen großen Beraterpool. In einem Netzwerk, bestehend aus Feng-Shui-Beratern und Geomanten** haben wir uns zusammengeschlossen und stehen für ein seriöses Beraterpotential, in dem wir verbindliche Richtlinien ausgearbeitet haben. Seit Januar 2010 haben wir ein Gütesiegel (siehe SEMINARTIPP unten; Anm. d. Red.), das alle Unterzeichner als seriöse Berater ausweist. Da Feng-Shui kein anerkannter Beruf ist, war uns dieses Prädikat wichtig! Mein Alleinstellungsmerkmal ist meine psychologische Beratung, die ich zusätzlich anbiete. Meine Kunden schätzen meinen verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen.

ThirtyUp: Welche Leistungen enthält eine Feng-Shui-Beratung in Ihrer Praxis?

Adami-Eberlein: In meinem Angebot sind die Besichtigungstermine, alle Messungen, die Analyse eines Fragebogens, ein ausführlicher Report und eine abschließende konkrete Beratung zur Wohnraumgestaltung enthalten. Die Preise setzen sich aus der Quadratmeteranzahl des Hauses und aus der Personenanzahl zusammen. Meine Vorschläge zur Veränderung sind lediglich Empfehlungen. Die Umsetzung muss durch den Kunden erfolgen. Bei Neubauten oder Hausplanungen stehe ich ebenfalls beratend zur Seite. In diesem Fall biete ich eine Analyse nach Sichtung der Architekten- / Baupläne.

* Das Titelbild zeigt ein typisches Feng-Shui-Werkzeug zum Berechnen und Messen der Räumlichkeiten. Damit wird u.a. zum Beispiel der exakte Mittelpunkt eines Hauses oder einer Wohnung berechnet. (Anm. d. Red.)

** Geomanten (s. Kasten – Anm. d. Red.)

SEMINAR-TIPP

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  • Ort: Seminarhaus Much-Niederheiden
  • Zeit: Freitags von 14-20:30 Uhr; Samstags von 10.00 bis 16:30 Uhr
  • Thema:
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    Wie kann ich meine Wohn- und Geschäftsräume durch Feng-Shui verbessern?

    Termine und Infos unter: Feng-Shui Praxis Much
   
Tel: 02245-610314

    www.fengshuipraxis-much.de

Interview & Redaktion: Christiane Prang
Bilder: Michaela Adami-Eberlein


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