Buchbesprechung: Prof. W. Mang – Verlogene Schönheit. Forever young oder ewiger Jugendwahn?

Prof. Werner Mang: Verlogene Schönheit.  Vom falschen Glanz und eitlen Wahn. C.Bertelsmann Verlag, München 2009

Zuerst dachte ich: „Ist es nicht ein bisschen verlogen, als Schönheitschirurg Eitelkeit und Schönheitswahn anzuprangern?“ Denn schließlich lebt Prof. Dr. Mang ja von seinem Job. Im Laufe seiner Ausführungen jedoch musste ich feststellen, dass es so etwas wie natürliche Schönheits-OP´s gibt, was mir bis dato noch gar nicht klar war…

Alle machen es, aber keiner will es zugeben

Bedenkt man den Wahn, der in der Promi-Welt herrscht, könnte einem schon fast übel werden. Frankensteins Gruselkabinett lässt grüßen!

Es ist wohl leider ein bisschen so wie mit den albernen Soaps im Vorabendprogramm, der Lektüre von Playboy oder der Bildzeitung: Die Welt wird überflutet mit Schönheitschirurgie, -in Deutschland waren es 2009 über eine Millionen OP´s und viele schon haben etwas „an sich machen lassen“, das aber zugeben will niemand so schnell. Verlogenheit, mehr Schein als Sein, maßlose Selbstüberschätzung und Größenwahn, der über die Grenzen des ästhetisch Zumutbaren hinausreicht, prangert der Nasenpapst mit seinem Buch „Verlogene Schönheit“ an. Da bleibt kaum ein Auge trocken und so mancher Promi unverschont. Das finde ich ehrlich gesagt mutig an diesem Buch und es macht Spaß, zu sehen, wie der Schönheitswahn der Schicki-Mickie-Gesellschaft ironisch hinterfragt wird. Mang spricht von dem Entfernen einer Rippe um Wespentaillenformat zu erlangen, von der Herauslösung des Mittelfußknoches damit der Fuß in die Super-High Heels passt. Er redet von allerlei unverhältnismäßigen und unsinnigen OP´s, die Patienten tatsächlich einfordern und sie am Ende zu Monstern mutieren lassen. So etwas aber ist mit ihm nicht zu machen.

Die Mangsche Moral

Stattdessen plädiert er für eine natürliche Ästhetik, die in Übereinstimmung zwischen innerer und äußerer Schönheit dann auch stimmig wirkt. Nicht zu vergessen gibt es immer wieder psychologisch notwendige Eingriffe etwa bei seelischen Problemen. Wer sich zwanzig Jahre jünger fühlt, als es seinem tatsächlichen Alter entspricht, warum sollte der sich nicht sein Gesicht auch einfach etwas auffrischen lassen, so seine Devise. Wenn es die Lebensqualität verbessert oder den Lebensgenuss steigert, warum nicht? Mang stellt zur Debatte, dass künstliche Zähne oder ein neues Hüftgelenk doch auch niemandem peinlich sind, warum also dann beispielsweise die Lidkorrektur? Der Beweggrund für dieses Buch: „Die Schönheitschirurgie ist ein Spiegel der Gesellschaft“.

Fazit:

SHOPPING-TIPP

Die Koriphäe der Schönheitschirurgie gibt einen umfassenden Einblick in die Welt der ästhetisch motivierten OP´s und in die Welt der Reichen und Schönen. Wer an diesem Thema interessiert ist, bekommt Infos aus erster Hand. Das Buch informiert auch über die praktischen Seiten, über Risiken oder Vorteile eines chirurgischen Eingriffs. In den ersten Kapiteln erfährt man sehr viel über den bekanntesten deutschen Schönheitschirurgen, dem über 18 Kliniken in Deutschland und die berühmte Bodenseeklinik gehören. Wenn man von den moralisierenden und den tendenziell zur Selbstbeweihräucherung neigenden Passagen einmal absieht, sind Mangs Gedanken sehr unterhaltsam und zeichnen ein nachvollziehbares Bild einer zum Schönheitswahn neigenden Gesellschaft.

Buchcover: © Verlag C. Bertelsmann


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