Kolumne zum Start ins Neue Jahr: Gute Vorsätze – sinnvoll oder heuchlerisch?

„… The same procedure as every year!…“ wer kennt ihn nicht, den wohl bekanntesten Satz aus ‚Diner For One‘. Und endlich habe ich den tieferen Sinn dahinter begriffen!

Die Bedeutung für unser Ritual der guten Vorsätze. Eine persönliche Betrachtung…

„Prosit Neujahr“ schallt es aus scheinbar tausend Kehlen. Und gleichzeitig höre ich – mehr innerlich – die vielen Vorsätze, die sich ein jeder gerade vor seinem geistigen Auge ausmalt. Lediglich ein liebgewordener Brauch zum Start ins Neue Jahr? Oder haben diese Vorsätze wirklich Hand und Fuß?

Zeit für Reflexion

Gute Vorsätze sind mehr als ein Ritual. Sie dienen dazu, uns sozusagen strategisch neu auszurichten. Und seltsamerweise stehe ich dieser Neuausrichtung gerade beim Gedanken an den Jahreswechsel besonders aufgeschlossen gegenüber. Zeit, das Vergangene hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen. Vergangenes, oh ja, da fällt mir insbesondere der Weihnachtsmonat ein…

Vorsätze – der Wunsch jetzt alles besser oder zumindest anders zu machen

Natürlich weiß ich, dass ich über die Feiertage wieder viel zu viel gegessen habe. Wie alle anderen auch. Und selbstverständlich will ich diese Pfunde loswerden. Aber – warum hab ich denn den Dezember über so viel gefuttert? Weil die Gelegenheit bestand: Süßes, Alkoholisches und fettes Essen haben sich wie ein hübscher Gürtel um meine Hüften gewickelt. Für schlechtere Zeiten! Nun ja, für arbeitsreichere Zeiten, in denen ich vor lauter Stress wieder kaum zum Essen komme.

Fromme Wünsche oder der Realität ins Auge blicken

Aber mangels Bewegung zehrt der Körper nun mal nicht völlig von den vorhandenen Reserven. Leider! Okay, ein bisschen Sport könnte ich wohl noch dazwischen schieben in meinen ach so vollen Terminkalender. Aber wann? Die wenige Zeit möchte ich doch lieber mit meinen Lieben verbringen, ach Zeit, du kostbares Gut, dich hätte ich auch gerne etwas öfter mal für mich ganz allein. Muss ich eben woanders Zeit einsparen – ach ja, sparen, das wollte ich mir doch auch vornehmen für das nächste Jahr.

Während sich also bei mir die Gedankenkette in der Nacht der Nächte wie von Zauberhand weiter fortsetzt, merke ich, dass auch die Gläschen Sekt mal wieder ihr Übriges dazu beitragen. Also, den Alkohol könnte und sollte ich mir auch sparen, den dicken Kopf am nächsten Tag schon vorausahnend. Naja, zumindest bis Karneval…

Gute Vorsätze – erst Besserung geloben, dann kollektiv vergessen?

So oder ähnlich wird es sicher einigen von uns Jahr für Jahr aufs Neue gehen. Wen wundert es da, dass die Statistiken der letzten Jahre fast immer dieselben so genannten guten Vorsätze auflisten, in unterschiedlicher Gewichtung. Vielleicht allein entstanden aus einiger einzigen Silvesternacht, in der uns alle Schandtaten des oder der vergangenen Monate nochmals richtig zu Bewusstsein gekommen sind. Mit dem Wissen, dass es doch im nächsten Jahr dasselbe sein wird, was ich mir vornehme um wieder zu scheitern?

Und das – beteuere ich – kommt so schnell nicht wieder vor! Ich gelobe Besserung – jetzt hab ich sie also: Meine ganz persönlichen guten Vorsätze fürs neue Jahr.

Statistisch belegt: Die Top 10 der guten Vorsätze seit Jahren fast identisch

Die Statistik beweist es mal wieder – mit meinen Wünschen befinde ich mich wirklich in guter Gesellschaft:

Laut einer Forsa-Umfrage bei 3.008 Befragten ab 18 Jahre, veröffentlicht bei Statista, wurden folgende Vorsätze* für das Jahr 2011 genannt:

„Stress vermeiden, abbauen“, das nehmen sich 59 % der Befragten vor
Mehr Zeit für Familie, Freunde“ wünschen sich 56%
„Mehr Bewegung, Sport“ in ihr Leben einzubauen gedenken rund 52%
Mehr Zeit für sich selbst“ erhoffen sich 49%
„Gesünder ernähren“ möchten sich 44% in diesem Jahr
Abnehmen“ steht bei 34% der Befragten auf der Liste
„Sparsamer sein“ wollen 32% in 2011
„Weniger fernsehen“, das nehmen sich 18% fürs Neue Jahr vor
„Weniger Alkohol trinken“ beabsichtigen rund 14%
„Rauchen aufgeben“ – diesen Vorsatz haben 12% der Befragten

(*Prozentual absteigend, Mehrfachnennungen waren möglich)

Die Zahlen sind seit 2008 recht stabil mit leicht verschobenen Gewichtungen. Liegt es daran, dass wir uns einfach immer nur sporadisch das Gleiche vornehmen? Mit dem Wissen sowieso zu scheitern?

Ich jedenfalls bin völlig davon überzeugt, meine guten Vorsätze diesmal zu halten – zumindest bis Karneval… Bis dahin sind es ja schließlich noch zwei Monate. Und das wäre  auch schon ein ganz schöner Erfolg. Oder? 😉

Benjamin Thorn – Fotolia.com


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2 Kommentare zu “Kolumne zum Start ins Neue Jahr: Gute Vorsätze – sinnvoll oder heuchlerisch?”

  1. Hallo Herr Schuster,

    ja, ich verstehe, wie Sie das meinen. Natürlich gibt es sie – die vielen ganz privaten, ganz persönlichen Vorsätze, die eine solche Umfrage gänzlich außer Acht gelassen zu haben scheint. Ob mit kommerziellen Absichten oder nicht: Die Studie macht deutlich, dass es sich bei vielen sogenannten guten Vorsätzen um ziemlich leicht nachvollziehbare „Allgemeinplätze“ handelt. Vorsätze, die gar nicht SO persönlich, so individuell sind. Denn sie ergeben sich (fast zwangsläufig) aus dem eben nicht so „perfekten“ Leben (zumindest) der letzten Monate und dem Versuch des Einzelnen, nun im Neuen Jahr besser (gesünder, sparsamer, bewußter …) zu leben. Deshalb wohl die Jahr für Jahr fast unveränderten Ergebnisse;-)). Oder haben Sie eine andere Theorie?

    Welche guten Vorsätze haben Sie sich denn gemacht? Sind dabei auch einige der „üblichen Verdächtigen“ oder doch ganz persönliche Wünsche & Ziele, die Sie sich speziell zum Jahresbeginn vorgenommen haben?

    Wenn Sie mögen, diskutieren Sie auch auf Facebook mit uns. Wir freuen uns sehr darüber.

    Viele Grüße aus der Redaktion

  2. Danke für die vielen Anregungen. Vorsätze sind eine gute Sache. Der Beginn von etwas Neuem eignet sich immer mit neuen Vorhaben, neuen Vorsätzen zu verbinden. Ein neues Jahr kann in diesem Sinn auch ein Beginn mit guten neuen Vorsätzen sein.
    Von Umfragen, wie die Forsa-Umfrage bei 3.008 Befragten halte ich in diesem Sinn nicht viel. Vorsätze sind etwas ganz persönliches. Sie passen nicht in einen allgemeinen Trend und auch nicht in eine Umfrage. Da kommt der Verdacht auf, dass mal wieder ein Institut des Kommerzes wegen auf sich aufmerksam mach.

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