Glücklich im Job? Wege zu mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz

Kennen Sie das? Sie wachen morgens auf und haben gar keine Lust aufzustehen und ins Büro zu fahren? Am Abend kommen Sie müde und ausgelaugt von der Arbeit und sind zu nichts mehr zu motivieren. Wenn Ihnen diese Situation völlig unbekannt vorkommt, dann herzlichen Glückwunsch! Dann macht Ihnen Ihr Job wirklich Freude und Sie haben Ihre Berufung gefunden.

Wenn nein, helfen Ihnen vielleicht die Tipps & Anregungen unserer Autorin Claudia Weiler, Business-Coach, aus Köln…

Wenn der Job keinen Spaß mehr macht

Leider geht es vielen aber nicht so. Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland ist mit seinem jetzigen Beruf unzufrieden. Doch den meisten Berufstätigen mit Unbehagen fehlt der Mut, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Oft bietet der derzeitige Job Sicherheit in vielerlei Hinsicht: finanzielle Unabhängigkeit, das Team ist vertraut, mit dem Chef hat man sich mehr oder weniger arrangiert und die Abläufe im Unternehmen erledigt man routiniert.

Ein Jobwechsel hingegen bedeutet für viele, geringere Kündigungsfristen -meist wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart oder der neue Vertrag ist nur befristet. Die Aufgaben können neu sein, die Unternehmensstrukturen sind auch eine Herausforderung und es stellt sich die berechtigte Frage: „Finde ich mich mit all dem zurecht?“ Und wenn mit dem Arbeitsplatzwechsel dann noch ein Wohnortwechsel verbunden ist, muss auch die Familie mitmachen.

Solche Gründe können ein tieferes Nachdenken darüber, welcher Beruf den eigenen Talenten und Fähigkeiten mehr Raum gibt, verhindern. Doch wer sich auf die Suche nach seiner Berufung macht, muss nicht zwangsläufig alle Brücken hinter sich abreißen, kündigen und den Sprung ins Ungewisse ohne Netz und doppelten Boden wagen.

Mit kleinen Schritten mehr Zufriedenheit im Beruf finden

Vor der Aktion steht die Reflektion!

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Neuorientierung. Eben mal so bei einem Spaziergang auf die innere Eingebung zu hoffen, das passiert in den wenigstens Fällen. Sabine Asgodom, Erfolgscoach und eine der gefragtesten Referentinnen und Buchautorinnen in Deutschland, wird in ihren Vorträgen und Büchern nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass eine Veränderung mindestens 50 vorausgehende Impulse braucht. Diese Impulse werden in der Regel nicht im hektischen Büroalltag freigesetzt, sondern dann wenn Sie sich Muße zur Selbstreflexion nehmen. Eigenen Gedanken Raum geben, mit Freunden und Familienmitgliedern sprechen… Finden Sie in diesen Ruhephasen Antworten auf die folgenden Fragen und beziehen Sie ein kleines wohl ausgesuchtes Team aus Ihrer Umgebung und bei Bedarf auch einen Coach mit ein, um sich folgende Fragen zu beantworten:

  • Wozu will ich den Job machen?
  • Was soll der Sinn hinter der Aufgabe sein?
  • Wem außer mir soll mein Handeln noch nutzen?
  • Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde?
  • Was kann ich besonders gut?
  • Was fällt mir leicht?
  • Wo sind meine Stärken?
  • Was motiviert mich besonders?
  • Welche Bedürfnisse sollen in meinem Berufsleben erfüllt sein?
Probleme sind dazu da, angepackt zu werden

Erst wenn Sie zu diesen Themen eine klare Position gewonnen haben, können Sie beginnen, über die Umsetzung nachzudenken.
Meist können einige Punkte schon im aktuellen Job realisiert werden. Allein die Rahmenbedingungen am jetzigen Arbeitsplatz sind nicht so festgefahren wie Sie vielleicht meinen. Oft kann sich schon durch ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder mit den Kollegen Wesentliches ändern. So können zum Beispiel Fortbildungsmaßnahmen, angepasstere Arbeitszeiten oder ein erweitertes Aufgabenfeld eine völlig andere Perspektive schenken. Auch das Arbeiten von Zuhause aus kann dazu führen, wieder mehr Freude am Beruf zu bekommen.

Wenn Sie sich entschieden haben, etwas ganz Neues zu machen, dann ist es manchmal sinnvoller, sich berufsbegleitend weiterzubilden und erst später, Schritt für Schritt den neuen Weg zu beschreiten. Oder Sie entscheiden sich, Ihre Berufung in einem Ehrenamt oder in einem Hobby voll auszuleben und gewinnen so wieder mehr Kraft für Ihren Job.
Die Möglichkeiten sind vielfältig, so dass jeder eine für sich passende Lösung finden kann.

Text: Claudia Weiler, Redaktion: Christiane Prang

Bildquelle: olly – Fotolia.com

INTERVIEW

Unsere Autorin Claudia Weiler ist Diplom-Kauffrau, selbständige Trainerin und Coach. Ihre Aufgabenschwerpunkte sind Führungskräftetrainings und -coaching, Erfolgs-, Persönlichkeits- und Business-Coaching. (http://www.weiler-seminare/)
TU-Redaktion: Frau Weiler, mit welchen Hürden haben die meisten Ihrer Klienten zu kämpfen?
Weiler: Die Angst, dass es nicht besser wird, wenn sie etwas ändern. Und die Angst nicht mehr erfolgreich zu sein.
TU-Redaktion: Wie viele Beratungssitzungen benötigt jemand, um sich seiner Wünsche und Ziele im Klaren zu werden?
Weiler: Das ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie intensiv sich die Klienten im Vorfeld Gedanken gemacht haben und welche Ziele sie mit dem Coaching verfolgen. Deshalb kläre ich mit dem Klienten gemeinsam in einem kostenlosen Vorgespräch, was sie erreichen wollen. Manche Klienten wissen nach zwei bis vier Sitzungen, wie Sie weitermachen wollen, andere brauchen länger.

Interview: Christiane Prang – Bild: © Weiler


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2 Kommentare zu “Glücklich im Job? Wege zu mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz”

  1. Herr Schuster, da haben Sie natürlich recht. Es ist immer wichtig, zuerst alles zu versuchen, die eigene Situation am derzeitigen Arbeitsplatz zu optimieren. Ohne Kommunikation ist das zweifelsfrei kaum möglich.
    Beginnt man zu spät, sich mit sich selbst, mit Kollegen, Vorgesetzten und damit indirekt der eigenen Zufriedenheit auseinanderzusetzen, entsteht im schlimmsten Falle eine Art Abstumpfung, vielleicht sogar Abneigung, die suggeriert: „Ich kann ja doch nichts tun, um eine Veränderung herbei zu führen“!
    Hier ist es sicher sinnvoll, sich von außen Rat zu holen: Sei es durch professionelle Hilfe in Form eines Coaches oder einfach durch intensive Gespräche im Freundes- oder Familienkreis.
    Das hilft, Klarheit zu bekommen. Und langfristig hilft es auch, ein Konzept zu entwickeln, wonach man bei einem idealen Job eigentlich sucht: Teamorientierung, angenehmere Arbeitsbedingungen, mehr Eigenverantwortung, andere Betätigungsfelder etc.
    Ohne dieses Konzept läuft man Gefahr, sich in Situationen zu häufig als hilflos und unausgeglichen zu fühlen und zu positionieren. Und diese Außenwirkung bleibt natürlich auch Kollegen und Vorgesetzten nicht verborgen.

    Also gilt sicher: Es ist nie zu spät, sich damit auseinander zu setzen. Am besten gleich, bevor es andere für einen tun!

    Herzliche Grüße aus der Redaktion

  2. Ein guter, interessanter Beitrag und ein immerwährendes Thema. Darf ich dazu einige Punkte ergänzen.
    1. Eigenmotivation
    Leider wollen Teile unserer Gesellschaft (ich meine nicht die Verfasserin, Frau Weiler geht mit dem Thema gut um) sich in einer „Wohlfühlatmosphäre“ geborgen fühlen. Das aber passt nicht so recht in unsere Arbeitsgesellschaft. Dort gilt vielmehr der Arbeitsvertrag, nämlich Arbeitsleistung gegen Entgelt. Es ist eben nicht vorrangige Aufgabe des Arbeitgebers sich um die Motivation des Arbeitnehmers zu bemühen. Vielmehr muss der Arbeitgeber zunächst erwarten, dass der Arbeitnehmer für seine Eigenmotivation selbst verantwortlich ist. Der Arbeitgeber hat jedoch mindestens für gute „äußere“ Rahmenbedingungen zu sorgen.
    2. Wenn es dennoch nicht funktioniert
    Es fängt immer bei mir an! Zuerst muss ich in Vorleistung treten, dem Umfeld und dem Arbeitgeber zeigen, ich gebe das Meine, bringe mich ein. Blockaden erzeugen das Gegenteil, Gegenwehr.
    3. Wenn das nicht klappt, dann bitte ich um ein Gespräch mit meinem Chef: „Chef, bitte, nehmen Sie sich mal für mich Zeit. Ich bitte um eine Gespräch über mich an diesem Arbeitsplatz.
    Der Gesprächsinhalt muss immer zuerst das Positive aufzeigen:
    a) Was finde ich gut an der Firma und am Chef?
    b) Was findet der Chef gut an mir?
    Dann geht es darum, Verbesserungen zu erarbeiten
    a) Was kann ich zur Verbesserunge einbringen?
    b) Was kann der Chef zur Verbesserung einbringen?
    c) Gemeinsam werden drei bis vier Verbesserungsmaßnahmen für die nächsten Wochen und Monate beschlossen und schriftlich festgehalten.
    4. Wenn dass alles nichts bringt, dann bleibt nur die Kündigung. Dazu gehört aber die Analyse nach Veränderungen:
    a) Findung eines neuen und (hoffentlich) besseren Arbeitsplatzes
    b) Mein Rat: verlassen Sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand. Seminare können etwas bringen. Ich stehe nicht immer darauf.
    c) Es gibt auch die Variante, sich selbständig zu machen, also eine eigene Firma zu gründen. Das ist jedoch ein anderes, weites Thema. Wenn Sie dazu etwas wissen wollen. dann schauen Sie mal nach unter http://www.LambertSchuster.de

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