Der Mann über 40: Einer ernsten Lage mit Humor begegnen

Ü30 Parties sind gut und schön, aber ist die Party mit 40 nicht so langsam zu Ende? Man kann ja auch nicht jahrelang Party machen und selbst wenn man es wollte, so einfach ist das Ganze nicht mehr….

Unser Review zur Vorankündigung „Ü40 – Die Party ist zu Ende!“

Mit dieser nüchternen Erkenntnis konfrontiert Kabarettist Ulli Böttcher sein altersgerechtes Publikum auf äußerst witzige Weise und deckt dabei die Entwicklung des Mannes von der Kindheit über die Pubertät bis zum „Niedergang“ auf, der wörtlichen Übersetzung von Katastrophe.

Wer ist hier denn über 40?

„Ü40 das ist nicht witzig“, so eröffnete Uli Böttcher sein Solo-Programm im Rahmen des Kölner Comedy-Festivals  im Kölner Stollwerck und ich ahne, es kommt deftige Koste auf mich zu. Doch zuvor fragt der Kleinkünstler aus Baden-Württemberg spontan in das Publikum: „Wer bitteschön ist hier denn alles über 40?“ und jede Menge Hände recken sich in die Luft, woraufhin noch klarer herausgestellt wird, dass es etliche Personen im Raum gab, die die Eintrittskarten sogar zu ihrem 40. Geburtstag geschenkt bekommen haben. Nur zwei verdächtig junge Menschen weit unter 20 werden angesprochen: „Warum seid Ihr hier, wie kommt das?“

So entsteht ein amüsantes Gespräch und Künstler Böttcher hat nicht nur auf sympathisch einnehmende Art Nähe zum Publikum erzeugt, sondern auch die Lacher ab diesem Moment  auf seiner Seite. Wobei das weibliche Publikum lauter, ja schadenfroher durch den Saal gröhlt. Die Herren lachen wesentlich verhaltener, dieser Feststellung kann ich mich nicht entziehen.

Was dem Mann Ü40 begegnet

Dabei ist doch das Thema alles andere als lustig: 40 werden und noch älter. Man kann es ja nicht vermeiden. „Wir Männer über 40 sind nicht mehr spontan, aber effektiv. Und überlegen beim Schuhe zubinden, was wir sonst noch auf dem Boden machen könnten wenn wir schon mal unten sind“ stellt Solo-Künstler Böttcher fest. Dabei macht er in schwarzem Anzug und Converse-Turnschuhen eine ganz passable Figur auf der Bühne. Doch der körperliche Verfall hat längst eingesetzt. Das bemerkt nicht nur die Ehefrau mit dem netten Zusatz“ Du solltest ab jetzt auf dem Bauch schlafen“, da unsere Hauptfigur auch das Schnarchen angefangen hat. Nein, auch während des Berlin-Marathons kommt unser Ü40er an die Abgründe seiner Leistungsfähigkeit. Spätestens als er nach mehreren Stunden im Sauerstoff-Zelt wieder erwacht und sich an keine weiteren Details seiner achtstündigen Strecke zu erinnern vermag, wird ihm sein bedauerlicher Zustand einmal mehr bewusst.

„Schließlich ist man nicht so alt wie man sich fühlt, sondern so alt wie man sich anfühlt.“

Im Vergleich zur pubertierenden Jugend, die auf ihre Weise leidet, kommt nicht selten Schadenfreude auf. Denn eindrucksvoll zeigt Böttcher auf, wie sich in dieser Altersgruppe die Synapsen im Gehirn voneinander gelöst haben und das dauert schließlich eine ganze Weile bis diese wieder zusammenfinden. Während dieser Zeit frönt der junge Mensch seinen Trieben und – Gott sei Dank – kommt man im Alter zur Ruhe. Das Repertoire der Liebesstellungen hat sich auf ein Mindestmaß reduziert. Sex wird wieder zu etwas Besonderem.
Ob bei der Betrachtung des schrumpfenden Haupthaares bei gleichzeitig stärker werdender Körperbehaarung, als Vater heranwachender Sprösslinge, der zum Besuch verhasster Elternabende verdammt ist oder als Kassenpatient, der zur notwendigen urologischen Untersuchung geladen wird und Leidvolles erfahren muss: Böttcher belustigt mit scharfer Beobachtung, spöttelnder Mimik und geschliffenem Hochdeutsch, dass es eine Freude ist. Wer diese Dekade des Schreckens so quietschlebendig vorführt, der macht doch wirklich Hoffnung auf ein Leben 40plus.

Nach der Aufführung konnten wir uns im Restaurant Stollwerck noch mit Uli Böttcher unterhalten … (zum Interview)

Bildquelle: Günter Menzl – Fotolia.com – Montage


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3 Kommentare zu “Der Mann über 40: Einer ernsten Lage mit Humor begegnen”

  1. Markus sagt:

    Hallo Chris(tiane),

    Du wirst lachen (oder denken: Oh nein, das daf nicht sein *gg*), aber über ein eigenes Bühnenprogramm habe ich auch schon nachgedacht. Wie so oft, fehlt aber dann immer der entscheidende letzte Schritt …

    Damit habe ich übrigens schon zweimal eine Geschäftsidee verschenkt, die andere später aufgegriffen haben – verpasste Gelegenheiten, damit könnte man auch eine Seite füllen

    Aber ich freue mich, dass ich schon einen Fan habe, bevor mein Programm gestartet ist, *lach*

    Liebe Grüße
    Der Markus

  2. Hi Markus,

    wahrscheinlich hätte Uli Dich raus gepickt und als Paradebeispiel für einen 40 plus-Mann, der einfach nur gut drauf ist, auf die Bühne gestellt. Das hätte auf jeden Fall gepasst. Vorschlag: Denk mal über ein eigenes Bühnenprogramm nach :-))

    Ich würd kommen…

    Verschmitzte Grüße aus der Redaktion

    Chris

  3. Markus sagt:

    Tja, da hab ich wohl was verpasst.

    Oder eigentlich ja auch wieder nicht. Denn einen Spiegel habe ich im Bad hängen. Vielleicht hätte ich mitsprechen können????

    Wer mich kennt, weiß, welche verrrückten Dinge ich tue, seit ich vierzig geworden bin ….

    Aber:

    1. Wer kennt mich schon?
    2. Ich fühle mich nicht wie vierzig (an)

    Übrigens: Bei den Freundinnen meiner Tochter gelte ich als der coolste Papa in der Klasse – na wenn das kein Kompliment für einen 40plus ist?

    Vielleicht sollte ich mich mal mit Ulli Böttcher unterhalten, oder eine Kolummne aufmachen …

    In dem Sinne
    liebe Grüße und danke für den Bericht
    Der Markus

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