Outdoor-Training für Couch-Potatoes und Büro-Hengste

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In den Bonner Rheinauen gibt es seit einigen Monaten ein neues Angebot für Outdoor-Fans. Fitness-Training im Freien. Der Diplom-Sportwissenschaftler und Personaltrainer Felix Klemme und sein Co-Trainer Andreas Opiolka bauen jeden Mittwoch einen kleinen Parcours auf, der die Teilnehmer mit einer Mischung aus Krafttraining, Ausdauer- und Fettverbrennungstraining überrascht.

Als alter Frischluft-Fanatiker habe ich an diesem neuartigen Training teilgenommen und interessante Erfahrungen gemacht …

Freiluft-Fitness statt Zirkeltraining

Eigentlich hasse ich Zirkeltraining. Unliebsame Erinnerungen an schweißtreibenden Schulsport, peitschende Lehrer und Seitenstiche kommen in mir hoch. Darum war ich gespannt auf Felix Klemmes Trainingseinheiten im Grünen und ein bisschen stolz darauf, dass ich  trotz Schulsport-Trauma diese Herausforderung annahm. Das Wetter war grimmig, ein heftiger Regenschauer ging der Fitness-Stunde voran. „Wir trainieren trotzdem“ sagte Felix selbstbewusst. Also schmiss ich mich in meinen Fitness-Dress und begrüßte die anderen acht durchschnittlich trainierten Teilnehmerinnen, ausnahmslos Frauen. Mittlerweile lächelte die Abend-Sonne verschmitzt durch die Wolken. Felix und sein Kollege Andi hatten sechs Stationen aufgebaut. Kleine Trainingsgeräte wie Hanteln, Bälle oder ein Tau um einen Baum waren mit genauen Anleitungen versehen. Trainer Andi erklärte uns jede Übung für die wir 30 Sekunden Zeit hatten. Es wurde mit Stopp-Uhr gearbeitet. Zwischen den Einheiten gab es immer eine Minute Pause. Los ging es mit zwei lockeren Jogging-Runden um unseren Parcours. Zum Aufwärmen. Dann durfte sich jeder Teilnehmer eine Station aussuchen.

Aktiv im Freien: Parcour-Übungen mit dem Trainer Felix Klemme

Kampf dem “Hüftgold”

Ich begann mit den dicken Tauen, die in ganzer Länge um einen Baumstamm gelegt wurden. Sollte gut sein für den Bauch. Meiner hatte es sehr nötig, darum war mir diese Übung sympathisch. Meine Aufgabe: Die Seile in die Hände zu nehmen und in Spannung zum Baustamm schön hin und her zu schwingen. Was so easy aussah, ging doch ziemlich in die Arme und in die Bauchmuskulatur. „Ja, die Übungen sehen einfach aus, haben es aber in sich“ kommentierte Felix mit einem neckischen Schmunzeln. Nächste Station: Schnelle Hocksprünge mit wechselnden Beinen. Mir wurde warm. Sonst komme ich selten ins Schwitzen aber hier im Freien tat sich plötzlich was. Erstaunlich! „Nochmal alles geben, das schafft ihr!“ spornten uns Felix und Andi an. Als nächstes lag ein mit Gewichten gefüllter Rücksack vor mir. Den sollte ich schön über meinen Kopf heben, ablegen und wieder aufnehmen. Puh, ich spürte meinen Puls. Es folgten noch drei weitere Parcours-Übungen, mal mit, mal ohne Kleingeräte. Wer mit dem Parcours durch war, sollte einmal den kleinen Hügel hoch und runter laufen.

Immer in Bewegung - an unterschiedlichen Stationen

Einfach, aber effektiv

Ich halte mich nicht für unsportlich, aber mir war bewusst: Ich habe etwas für meinen kompletten Body getan und das werde ich in den nächsten Tagen in meinen Muskeln spüren. Dann der Check: „Ich sehe, ihr habt eine gesunde Gesichtsfarbe. Wie fühlt ihr Euch?“ fragte Andi? „Alles OK? Tut jemandem etwas weh?“ Mit viel Humor und Kompetenz führten uns die beiden Trainer durch die sportlichen Einheiten. Für Teilnehmer mit Knie- oder Bandscheibenbeschwerden gab es Hinweise, Tipps und Ersatzübungen. Man fühlte sich gutaufgehoben und nicht überfordert. Zu unserer Überraschung machten wir die komplette Parcours-Runde noch einmal. Einige Teilnehmer stöhnten leise auf, doch unsere Trainer holten noch mal da Letzte aus uns raus. Und was das Verrückte war: Ich hatte plötzlich das Gefühl, mehr Energie als zur Beginn des Trainings  zu haben. Den anderen ging es nicht anders. Als witzigen Cool-down machten wir noch eine kleine Partnerübung für Muskelkraft und Koordination. Anschließend gab es noch Infos mit auf den Weg, Fragen der Teilnehmer wurden beantwortet, Feedback aufgenommen. Es herrschte allgemeine Begeisterung.

Resümée der Teilnehmer

 „Im Fitness-Studio betuppt man sich immer selber. Man macht die Übungen doch nicht so konsequent oder trödelt ein bisschen“ meinte eine Teilnehmerin. „Was machen wir denn im Winter wenn es dunkel ist?“ fragte eine andere Frau. „Ich kann euch versprechen, es wird Licht geben. Lasst Euch überraschen.“ beruhigte Felix uns. „Und denkt daran, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Diejenigen unter Euch, die regelmäßig joggen gehen, kennen das. Das Wetter spielt dabei keine so wichtige Rolle mehr wenn die Klamotten stimmen.“ Erledigt, aber glücklich warf ich meine Sporttasche in den Kofferraum. Zwei Tage später sollte ich ein angenehmes Ziehen in den Beinen und in der Gesäßregion spüren – ein Zeichen dafür, dass mir das Training etwas gebracht hat. Schade, dass mein ehemaliger Schul-Sportlehrer mich jetzt nicht sehen konnte…

Bildquellen: outdoorgym.de

Linktipp:

“Ran an den Speck…”  ThirtyUp-Interview und mehr Informationen zum Outdoor-Training


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