Bohnerwachs und Omas Apfelkuchen – Wie duftet die Kindheit?

Ein bestimmter Geruch steigt uns in die Nase und wir sind plötzlich wieder fünf Jahre alt, sitzen auf der Schaukel und wissen noch, wir wir uns damals gefühlt haben. Warum Düfte lang verlorene Emotionen und Erinnerungen wecken…

Den Geschmack von Sahnerahm auf der Zunge, das Aroma von Omas Weihnachtsgebäck oder ein bestimmtes Parfüm, das unsere erste große Liebe immer trug. Im Handumdrehen ist es wieder da, dieses wohlige und besondere Gefühl von damals. Gerüche senden uns nonverbale Botschaften und beschwören tiefe Gefühle und Kindheitserinnerungen herauf, deren Wirkung sich kaum jemand entziehen kann.

Gerüche wecken Emotionen

Sinneserfahrung, Wohlgefühl und Emotionales Erleben, all das kann ein bestimmter Duft in uns auslösen. Gerüche erinnern uns an unsere Wurzeln, an Verborgenes, Unbewusstes. Eine längst vergangene, aber niemals vergessene Erinnerung wieder herbeizuzaubern, das ist die wahre Errungenschaft eines guten Duftes. Unstrittig ist, dass ein unangenehmer Duft auch das Gegenteil bewirken kann. Düfte sind ein bisschen vergleichbar mit Träumen, die plötzlich die tiefen Beweggründe des Unterbewusstseins hervorholen und Bilder wecken. Dass eine kurze Duftimpression ein wahres Feuerwerk an Erinnerungen in uns auslöst, wissen wir und ein jeder hat bereits die Erfahrung gemacht, dass er sich bei einem bestimmten Duft in seine Kindheit zurückversetzt sah. Der Bohnerwachs aus Großmutters Hausflur und ihr Lächeln bei der Begrüßung, oder auch der sterile Krankenhausgeruch, der einen wieder an die unangenehme Blinddarmoperation als Sechsjährige erinnert. Ein Geruch erzeugt ein Bild und ein Bild weckt sofort ein ganz bestimmtes Gefühl in uns. Warum ist das eigentlich so?

WISSENSWERT:

Wunderwerk Riechorgan

© Ralf-Udo Thiele - Fotolia.com

An Düften nimmt der Mensch mehr als 10.000 verschiedene Nuancen wahr. Er ist fähig, tausend verschiedene Dufttypen zu unterscheiden, obgleich jeder Geruch ein komplizierter Mix aus hunderten, ja sogar tausenden von Molekülen ist. Der Kaffeeduft zum Beispiel enthält 200 chemische Einzelkomponenten, eine Rose besitzt 500 Riechstoffe. Für den Kaffee reichen allerdings 15 Einzelstoffe aus, um als Kaffeearoma diagnostiziert zu werden.

Das Unterbewusstsein spielt eine große Rolle

Das Riechen läuft immer unmittelbar und meist unbewusst ab, weshalb die Werbung schon seit längerem Aromen gezielt gewinnbringend einsetzt. Der Weg von der Nase zu einem bestimmten Gefühl ist kurz. Darum können Düfte unbewusste Bilder und Erinnerungen in uns zu neue leben erwecken.

Wie funktioniert das Riechen überhaupt?

Jedes Einsaugen eines Duftes aktiviert auf der Nasenschleimhaut drei Millionen Riechzellen, deren Sinneshärchen die Duftmoleküle entschlüsseln. Wird ein Duft erkannt, leiten die Nervenbahnen elektrische Impulse an das limbische System weiter, dorthin, wo sich auch unser Gefühlszentrum im Gehirn befindet. Das ist auch der Grund, warum Gerüche Erinnerungen und Emotionen auslösen, weil diese Bereiche im Gehirn sehr nah beeinander liegen. Ein Duft ist etwas Magisches, weil er genau diesen Zweck erfüllt: Zu betören, zu verzaubern, in eine geheimnisvolle, surreale Welt zu entführen.

Bildquelle:
Carmen Steiner – Fotolia.com

DUFT-TIPP:

Düfte wecken Emotionen © privat, thirty-up.de

© privat - thirty-up.de

Neuer Duft gefällig?

Sie haben die Nase voll von Ihrem alten Duft, den Sie seit Jahren benutzen? Dann hat sich Ihre Nase bereits daran gewöhnt. Ein Neuer muss her. Unsere Tipps für den Test des neuen Duftes:
  • Lassen Sie den Test-Duft etwa zehn Minuten auf der Haut bis sich seine Duftmoleküle voll entfaltet haben.
  • Fangen Sie mit leichten Düften an und arbeiten Sie sich zu den schweren Parfüms vor.
  • Achtung: Nach vier Duftproben streikt die Nase. In Papiertaschentuch oder Behälter mit Kaffeebohnen hineinschnuppern, um das Geruchsorgan zu neutralisieren.
  • Besser noch: Einen Tag pausieren, die Dufteindrücke auf Teststreifen mit nach Hause nehmen und sie auf sich wirken lassen.



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1 Kommentar zu “Bohnerwachs und Omas Apfelkuchen – Wie duftet die Kindheit?”

  1. Markus sagt:

    Ich sag’s ja: Grüner-Apfel-Duft (siehe mein anderes Posting)!

    Omas Apfelkuchen? Und dieses leckere Bild … ich glaub ich geh‘ gleich mal zum Bäcker.

    Aber stimmt es eigentlich, dass unser Gehirn Bilder und Töne auf Anhieb reproduzieren kann, allerdings Gerüche nicht aktiv erinnerbar sind???

    ‚N duften Tag noch
    Der Markus

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